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Fotografiertes von und mit Martin Kommer

Schlagwort: Ultraviolett

Gerbera im Portrait

Die verschiedenen Arten der Gattung Gerbera aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae) gehören vor allem dank der vielen farbenfrohen Hybrid-Züchtungen mittlerweile zu den beliebtesten Schnittblumen. Nahezu während des gesamten Jahres bekommt man diese im Blumengeschäft des Vertrauens. Vor allem die warmen Farbtöne rot und orange, sowie auch die neutraleren Farben gelb und weiß findet man häufig in den Gebinden der Floristen. Die fiederteiligen zum Teil aber auch nur einfachen Laubblätter stehen in Rosetten zusammen und können behaart oder unbehaart sein. Im runden Blütenkörbchen stehen dicht nebeneinander die Röhrenblüten, die in späteren Blühstadien das gesamte Blütenkörbchen ausfüllen. Eine Betrachtung der Blüten mittels reflektierter Strahlung unterschiedlicher Wellenlänge könnte also durchaus interessant sein. Im Folgenden wurden dazu sechs Aufnahmen mit unterschiedlichen Filtern angefertigt und im Anschluss mit RawTherapee und Lightroom bearbeitet:

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obere Reihe von links nach rechts:

  • Aufnahme im nahen Infraroten mit Heliopan RG830
  • Falschfarbenaufnahme mit Heliopan RG695, kein Kanaltausch
  • Falschfarbenaufnahme mit Heliopan RG645, Rot- und Blaukanal wurden anschließend vertauscht

untere Reihe von links nach rechts:

  • Aufnahme im sichtbaren Licht mit Schott S8612 (1.75mm)
  • Falschfarbenaufnahme mit UV-Anteil unter Verwendung der Schottfilter BG5 (3mm) + S8612 (1.75mm), anschließend Kanaltausch
  • Aufnahme im UV-A Band mit Hoya U340 (2mm) + S8612 (1.75mm)

Während sich im nahen Infraroten kaum ein Kontrast einstellt, lassen sich durch anteiliges sichtbares  Licht durchaus ansehnliche Farbkombinationen erreichen. Im ultravioletten Spektrum stellt sich die Blüte als stark absorbierend dar, die Laubblätter hinterlassen jedoch einen fast schon metallischen Look. Lediglich an den Spitzen der Röhrenblüten wird ein Teil der UV-Strahlung reflektiert. Lässt man auch bei der UV-Aufnahme Kontamination mit sichtbarem Licht zu, kann durch anschließenden Kanaltausch ein wie ich finde durchaus ansehnlicher Farbeffekt erzielt werden. An einer roten Gerbera wurde mittels UV-Licht versucht visuelle Fluoreszenz (engl. UVIVF) anzuregen:

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Dazu wird das Objekt in einem völlig abgedunkelten Raum mittels einer UV-Quelle beleuchtet und durch Filter das sichtbare Spektrum auf dem Kamerasensor festgehalten. Fast schon Forensik sozusagen 😉 Die Fluoreszens erkennt man recht schön an den bläulich schimmernden Staubpartikeln, mit Sicherheit ist aber auch sichtbares Licht aus der Primärquelle (Nitecore CU6 UV-Taschenlampe) auf dem Sensor gelandet.

Multispektrale Bilder

Bei gleichzeitiger Aufnahme identischer Bilder in mehreren Spektralbereichen entsteht ein Multispektralbild. Der Sensor einer digitalen Kamera bietet drei Kanäle (rot, grün und blau). Daraus ergibt sich im RGB-Farbraum ein Bild mit natürlichem Farbeindruck und dies würde schon der eingangs dargelegten Definition genügen, da jeder Kanal für sich bereits ein Graustufen-Bild aus einem definierten Spektralbereich liefert.
In der Fotografie versteht man unter multispektralen Bildern eher eine Art Neuzusammenstellung der Farbkanäle. Dazu werden Aufnahmen (bestehend aus den drei Kanälen R, G und B) in verschiedenen Spektralbereichen angefertigt und anschließend wird ein neues Bild bestehend aus ausgewählten Farbkanälen der Einzelaufnahmen zusammengesetzt. Ich habe heute mal ein bisschen mit den Kanälen rumgespielt. Für das Infrarot Tutorial auf pentaxians.de hatte ich die kleine Kapelle und den Friedhof mit diversen Filterkombinationen fotografiert (nahes Infrarot mit 645nm und 695nm, sichtbar, sowie UV) und die Bilder in ihre Farbkanäle zerlegt. Anschließend habe ich ein neues Bild aus verschiedenen Kanälen gebastelt. Die bisher erfolgreichste Neukombination besteht aus:

  • Rotkanal: Informationen des ehemaligen Blaukanals der UV-Aufnahme
  • Grünkanal: Informationen des ehemaligen Blaukanals der NIR-Aufnahme
  • Blaukanal: Informationen des ehemaligen Rotkanals der NIR-Aufnahme

Nachdem ich an Photoshop verzweifelt bin, habe ich dann einfach GIMP genommen. Geht auch wunderbar und ist sogar selbsterklärend. Anschließemd wurde das Bild noch weichgezeichnet und die Kontraste erhöht. Ich find das Ergebnis irgendwie faszinierend und es trägt den Titel „quiet peace“:

Gleiches Vorgehen habe ich auch für die Szene auf dem Friedhof benutzt, nur dass ich anschließend mit dem Channel-Mixer in GIMP noch ein paar Veränderungen an den Kanälen vorgenommen habe. Gerade am vorderen Grabstein sieht man sehr schön die Informationen die aus der UV-Aufnhame stammen. Bin mir nicht sicher, ob die wissen wieviel Risse das Ding hat.

Das Problem bei der Spielerei dieser Art ist der Fokusshift der Objektive zwischen den einzelnen Spektralbereichen. Dadurch ergeben sich zwangsläufig für jede Einzelaufnahme unterschiedliche Fokuspunkte und entsprechende Doppelkonturen im neu zusammengesetzten Bild. Sprich: Farbsäume. Teilweise lassen die sich mit LR zwar entfernen, aber wenn es zu viel wird, entfernt man auch gleich die Konturen der „eingefärbten“ Blätter. Falls jemand eine Idee zur Nachbearbeitung hat, immer her damit. An einer korrigierten Spezialoptik komm ich wohl doch nicht mehr vorbei 😀

In der Selbstreflexion stellt man sich natürlich die Frage: „Warum mach ich das eigentlich?“ Allein die einzelnen Aufnahmen erfordern Windstille, genaue Ausrichtung, Zeit und Geduld, vermutlich könnte man ein ähnliches Ergebnis auch in PS schneller erreichen. Eine Antwort habe ich dann aber doch gefunden: Es entspannt, befreit den Kopf und macht irgendwie auch Spaß. Da es sich nicht um eingefärbte normale Bilder handelt, sondern tatsächlich Informationen aus dem nichtsichtbaren Bereich enthalten sind kommt auch so ein bisschen der „Forscherdrang“ durch. 😉

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