Gute IR-Fotos mit einer nichtumgebauten Kamera verlangen viel Sonne. Durch das Prinzip einer Spiegelreflexkamera wird das Sucherbild bei aufgeschraubtem Filter rötlich abgedunkelt bis schwarz (je nach Filter), was die Motivwahl und den Bildaufbau umständlicher gestaltet. Wer eine DSLR mit LiveView besitzt, kann auf diesen zurückgreifen und mit dessen Hilfe den Motivausschnitt und Fokus festlegen.

Da Blätter wie oben schon beschrieben, das IR-Licht gut reflektieren, kommt bei direktem Sonnenlicht der Wood-Effekt am besten zur Geltung. Mehr noch als bei der normalen Fotografie ist der Sonnenstand entscheidend. Je nach Standpunkt der Kamera zur Sonne und Einfallswinkel derer erscheint das Blattwerk von weiß bis dunkelgrau bzw. in entsprechenden Farbabstufungen bei Falschfarben-Bildern. Jedoch ist der Wood-Effekt nicht das einzige künstlerische Gestaltungsmerkmal einer Infrarot-Aufnahme. Durch fehlende Reflexion der IR-Strahlung im Himmel, wird dieser in der späteren Aufnahme relativ dunkel bis schwarz (wieder abhängig vom Sonnenstand) dargestellt. Wolkenformationen und feine Schleierwolken gewinnen hingegen deutlich an Kontrast.

Da die Farbe des Wasser durch die Spiegelung des Himmels entsteht, wird auch dieses dunkelblau bis schwarz wiedergegeben. Die Wood-Effekt ist auch in der Spiegelung der Landschaft im Wasser sichtbar, so dass sich beispielsweise weiße Bäume im Wasser eines Sees spiegeln. Relativ langweilig hingegen wirken große Flächen Gras, Blumen etc., da sie eine recht eintönige kontrastarme Masse ergeben. Hinzu kommt bei dieser Aufnahme noch der wolkenlose Himmel, der somit auch keinerlei Struktur besitzt. An den Bäumen rechts im Hintergrund lässt sich erkennen, dass je nach Lichteinfall und Baumart die Helligkeit und Ausprägung des Wood-Effekts variiert.

Neben der Landschaftsfotografie bieten Architekturaufnahmen einen interessanten Anblick, da Materialien wie Holz oder Beton/Mauerwerk meist einen schönen Kontrast zu Laub/Wiese darstellen.

Obwohl Aufnahmen Blüten im Infraroten eher einheitlich hell sind, kann sich in Kombination mit blauem Himmel der Falschfarben-Aufnahme trotzdem ein interessanter Kontrast ergeben. Im Bereich der Blütenblätter und Fruchtstände kommen die feinen Strukturen einiger Pflanzen mit Hilfe der Infrarot-Fotografie besonders gut zur Geltung. Hier sei noch erwähnt, dass das DFA 100 eines der wenigen Objektive ist, das locker über f8 abgeblendet werden kann.

Auch im Portraitbereich stellt die Infrarot-Fotografie eine interessante Erweiterung der sonst üblichen Fototechniken dar. Ich selbst komme zur Zeit einfach nicht dazu diesen Bereich mit weiterem eigenen Bildmaterial zu füllen, daher müssen im sich anschließenden Text erstmal Verlinkungen auf andere Seiten ausreichen. Auf InfraEdd erschien kürzlich ein interessanter Artikel zu IR-Fotografie im Studio. Die Haut wird sehr hell dargestellt und Hautunreinheiten verschwinden einfach (z.B. Sommersprossen). Was am Ende übrig bleibt is eine wachsartige Anmutung der Haut. Mancher vergleicht es auch gerne mit Porzellan. Da liegt auch schon gleich das nächste Problem: Wie in obiger Aufnahme erkennbar, wirkt das Gesicht leicht fahl und die Lippen besitzen fast die gleiche Tönung wie die restliche Haut. Hier hilft nur geeigneter Lippenstift (am Besten vorher austesten) oder Lippen mit Öl fetten und anschließend Ruß auftragen. Immer häufiger wird mittels EBV eine ansprechendere Tönung der Haut realisiert, dazu hier ein Vorher-/Nachherbild und ein kleines Tutorial. Ferner kann es je nach Person und Lichtsituation zur verstärkten Darstellung der Blutgefäße im NIR kommen (Beispiel). Dies sollte in der anschließenden EBV retuschiert werden.
Eine weitere faszinierende Welt ergibt sich dem Betrachter, wenn NIR-Aufnahmen in der Nacht angefertigt werden. Klar die Belichtungszeit/ISO-Kombination erreicht Werte jenseits von gut und böse, aber ich finde es trotzdem ziemlich interessant:
Singapore bei Nacht

Nach wie vor hält sich die Behauptung, man könne IR-Fotos nur im Sommer aufnehmen. Meiner Meinung nach ist das aber völliger Blödsinn. Klar, bei Laubbaum-Motiven gibt es im Winter keinen Wood-Effekt, aber der muss auch nicht ständig im Vordergrund stehen. Hier sind ein paar schöne Beispielbilder, welche Motive im Winter durchaus reizvoll sind. Nadelbäume in Kombination mit Wasser und abgestorbenen Pflanzen ergeben auch zu dieser Jahreszeit lohnende Motive.

Durchaus interessant kann auch die IR-Fotografie auch bei ungewöhnlichen Motiven werden. Wie schon bei den Blüten gesehen, werden Strukturen teilweise verstärkt dargestellt. Im folgenden Beispiel wurde durch einen 695nm Filter die „gute Stube“ eines alten Bauernhauses im Gegenlicht fotografiert. Der Boden verliert zwar deutlich (die Maserung kommt weniger gut rüber), dafür wirkt das Licht sehr weich und die Struktur der Farbe an Wänden und Decke tritt auffällig in Erscheinung. Es lohnt sich also durchaus mal ein paar ungewöhnliche Motive zu wählen.