IR-Fotografie was ist das eigentlich? Vor und hinter dem sichtbaren Lichtspektrum (also das, welches wir mit unseren Augen wahrnehmen – häufig als VIS abgekürzt) ist noch lange nicht Schluss. Per Definition (nachzulesen in DIN 5031-7) wird alles was nach rot kommt als Infrarot (IR) und alles unterhalb der Wellenlänge von 380nm als ultraviolett (UV) bezeichnet. Was wir hier in diesem Thread jedoch eigentlich betrachten ist streng genommen nur der nahe Infrarotbereich (NIR oder auch IR-A). Je nachdem an welche Person man gerät, sollte man mit den Begriffen aufpassen. Im Prinzip nutzen wir also eine spezielle Aufnahmetechnik, um den uns sonst verborgenen Spektralbereich sichtbar zu machen. Dies geht natürlich nicht ohne Nachbearbeitung, aber dazu später mehr. Dank der digitalen Fotografie ist der nahe Infrarotbereich für wesentlich mehr Nutzer zugänglich, da auf spezielle IR-Filme und deren durchaus schwierige Handhabung verzichtet wird. Nun reicht ein entsprechender Filter und ein bisschen Geduld bis die erste IR-Aufnahme fertig ist. Der für die CCD bzw. CMOS-Sensoren nutzbare IR-Bereich erstreckt sich bis rund 1000nm. Genau der Bereich wird gemein hin auch als nahes Infrarot bezeichnet und hat nichts mit der Thermographie zu tun. Also Kältebrücken am Haus findet ihr damit nicht 😉 Für die Fotografie interessant ist, dass einige Materialen wellenlängenabhängige optischen Eigenschaften besitzen. Das nutzt man dahin gehend aus, dass sich im Vergleich zu der „normalen“ Fotografie im sichtbaren Licht teils völlig andere Motivdarstellungen ergeben. So erscheinen zum Beispiel viele Pflanzenteile weiß. Beschrieben wurde dieses Phänomen anhand von Fotografien durch Robert Wood im Jahr 1910. Es gibt Vermutungen, dass dies nicht die ersten veröffentlichten IR-Bilder sind, aber sei es drum: Der Effekt wurde nach ihm Wood-Effekt benannt.
Wer ein bisschen tiefer in die Hintergründe einsteigen und sich nicht durch die Veröffentlichung von Robert Wood aus dem Jahr 1910 quälen will, dem sei die Veröffentlichung von Klaus Mangold empfohlen. Eine seiner Quellen ist eine sehr schöne Publikation in deutscher Sprache aus dem Jahr 1937, die über Springer-Link bezogen werden kann. Da es für die Fotopraxis letztendlich eine untergeordnete Rolle spielt, welcher Übergang Luft <-> Zellwand für die starke Reflexion im infraroten Bereich verantwortlich ist und welche Spektralbereiche Chlorophyll genau absorbiert, belasse ich es an dieser Stelle bei einem Link zu weiterführenden Informationen.