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Fotografiertes von und mit Martin Kommer

Kategorie: Objektiv

Meyer Optik Görlitz Telefogar

Da ich nun mittlerweile zwei gleiche Objektive aus dem Hause Meyer Optik Görlitz besitze, möchte ich die Linse auch einmal vorstellen. Es handelt sich um das Telefogar 3,5/90 V mit Altix-Bajonett.
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Wer Hintergrundinformationen zu Meyer-Linsen sucht, der wird auf der Homepage von Herrn Neuhaus fündig. Das Telefogar ist ein Objektiv, welches lt. Preislisten ausschließlich für das Altix-Bajonett produziert wurde. Mehrere Legenden behaupten es hätte auch M42-Varianten geben, allerdings scheint es sich nach meinen Recherchen eher um eine größere Charge an Umbauten zu handeln. Auch Varianten mit Exakta-Anschluss tummeln sich ab und zu auf diversen Verkaufsplattformen. Die technischen Daten zu den Altix-Objektiven findet man hier, ich erspare mir mal die Details. Konstruktiv hat es einige eher ungewöhnliche Eigenschaften: Die Vorderlinse ist größer als für Blende f/3,5 eigentlich erforderlich und da es für eine Sucherkamera entwickelt wurde, sitzt die Hinterlinse bei einer solchen extrem nah am Verschluss. Die moderate Anfangslichtstärke ist allerdings kein Problem, da das Objektiv meiner Meinung nach voll offenblendtauglich ist. Auch äußerlich hebt es sich deutlich von allen anderen Meyer-Linsen ab und ich finde die Bauform einfach wunderschön.

Was macht man nun mit dem Altix-Bajonett an einer Pentax? Ganz einfach: Im Netz gibt es eine sehr gute Anleitung wie man durch einfachste handwerkliche Arbeiten das Objektiv in einen M42-Adapter bekommt und das schaut dann letztendlich so aus:
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Als kleiner Nachteil an digitalen Pentaxen ragt die zuvor erwähnte Hinterlinse ein Stück zu weit in den Spiegelkasten, so dass ein Teil der Linsenfassung weggeschliffen werden muss. In meinem Fall, hat dies der Vorbesitzer bereits erledigt. Das zweite Exemplar behält vorerst sein Altix-Bajonett und wandert als Reserve in die Vitrine. Ein paar Unterschiede zwischen den beiden Exemplaren gibt es aber:
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Eines hat eine stufenlose Blende, das andere besitzt Rastungen. Auch die Vergütung der beiden Vorderlinsen schimmert nicht gleich. Ich habe allerdings keinerlei Informationen ob und wann bei Meyer Optik die Beschichtungen geändert wurden und freue mich dementsprechend über Hinweise. Das Telefogar zeichnet ausreichend scharf und gibt die Farben in sehr schönen warmen Tönungen wieder. Bei 12 Blendenlamellen lässt sich auch ein schönes Bokeh erwarten.
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Nebenbei – und das ist für mich nicht ganz unerheblich – ist es auch infrarottauglich. Es zeigt keinerlei Hotspot-Neigung und auch die Schärfe ist akzeptabel. Nachfolgend nun eine kleine Auswahl an Bildern, um die Charakteristik der Linse darzustellen.

Sommerurlaub

Hat ein Hobbyfotograf überhaupt Urlaub? Naja zumindest gibt es Tage an denen er seiner Arbeitsstätte fernbleibt und andere Orte bereist, natürlich stets mit einer Kamera im Gepäck. Dieses Jahr ist das schöne Schleswig-Holstein das Ziel der Reise und im Dorf Ulsnis an der Schlei wird das Quartier bezogen. Die Schlei ist eine sehr beliebte Urlaubsregion im nördlichsten Bundesland. Da keine Quelle vorhanden ist zählt das Gewässer nicht zu den Flüssen, sondern als Nebenarm der Ostsee. An den Ufern von Schlei und Ostsee gibt es einiges zu entdecken und auch weitere fotografische Highlights (z.B. Wasserschloss Glücksburg) warten nur darauf auf den Sensor gebannt zu werden. Damit dies gelingt, habe ich ein bisschen aufgerüstet. Zur K3 II, die seit einigen Wochen bei mir ein neues Zuhause gefunden hat, hat sich ein klasse Reiseobjektiv gesellt: das HD DA16-85 WR. Damit sind nun sowohl Kamera als auch Objektiv wasser- und staubgeschützt, so dass dem Fotospaß am und im Wasser nichts mehr im Wege steht. Nun geht es an die Planung der Urlaubsaktivitäten 🙂

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Tilt Objektive

Shift- und auch Tilt-Objektive sind in regelmäßigen Abständen immer wieder gern genutzte Effektlinsen. Während erstere Art besonders gut die perspektivische Verzerrung in der Architekturfotografie ausgleichen kann (können Pentaxians teilweise auch über den Sensorshift machen), werden Tilt-Objektive eingesetzt um die Schärfeebene nochmal radikal zu verkleinern. Dadurch entsteht im Bereich Landschaftsaufnahmen der Miniatur-Effekt. Klar kann man auch mit jedem Bildbearbeitungsprogramm mit Unschärfeverläufen machen… aber das ist eben keine Fotografie und das Bokeh lässt sich nunmal nicht so einfach nachbasteln. Gerade die Hochzeitsfotografen nutzen Tilt-Linsen gerne, um ihren Bildern etwas besonderes zu verleihen, aber mittlerweile ist der Effekt nicht mehr so hip sondern eher ausgelutscht. Für Pentax ist das Angebot an Objektiven mit Tilt- und/oder Shift-Funktion wie gewohnt eher dürftig. Mir fallen da eigentlich nur die Oldies aus der K-Serie oder die Walimex/Samyang-Linsen ein. Auf ebay findet der interessierte Knipser noch ein paar umgebaute russische Objektive zu moderaten Preisen ab 100€ und dann ist auch schon Schluss. Da liegt es natürlich nahe selbst handwerklich tätig zu werden und das Netz bietet hier genügend DIY-Anleitungen für erste Experimente. Wer Blut geleckt hat, kann sich ja später immernoch ein Samyang kaufen. Ich habe mich beim Basteln an der Umsetzung von Markus Keinath orientiert. Allerdings habe ich erstmal nichts fest verklebt sondern nur getaptet und meine Optik ist das EL-Nikkor f5.6/105mm Vergrößererobjektiv welches nur in die Lampenfassung gesteckt wird. Nach den ersten Versuchen steht fest: Sieht leichter aus als es ist (oder ich stelle mich doof an). Auf jeden Fall sollte man den Effekt mit Bedacht einsetzen und er wirkt auch nicht in jeder Situation, aber macht euch selbst ein Bild.

Feinmess Bonotar 105/4.5

Entschleunigtes Fotografieren ist derzeit wieder in aller Munde und ich habe schon immer eine Schwäche für manuelle Linsen. Daher möchte euch mal wieder ein an Pentax adaptiertes M42-Altglas-Schätzchen vorstellen. Es handelt sich um mein kürzlich erworbenes Bonotar 105/4,5 von Feinmess in Dresden. Die Firma wurde 1872 gegründet und nach 1945 in den VEB Feinmess umstrukturiert.

Techn. Daten:
Optische Rechnung : 3 / 3
10 Blendenlamellen
Blende max. f/4.5 und min. f/22
Naheinstellgrenze: 1,7 m
Filtergewinde: 40 mm

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Die Linse an und für sich ist ein Kuriosum. Ursprünglich wurde die Rechnung als fest eingebautes Objektiv der Klappkamera Belfoca (aus den Belca-Werken, Dresden) mit 6×6 bzw. 6×9 cm Rollfilm entworfen. In den Jahren 1956-59 wurde die optische Rechnung schließlich auch in einem Tubus als Wechselobjektiv mit M42-Gewinde, sowie Exakta-Bajonett angeboten. Die Frontlinse ist so tiefliegend, dass keine Streulichtblende beigelegt wurde.

Es handelt sich bei der Linse um ein klassisches Triplet in Normalbauweise, so dass ein Großteil des Tubus praktisch leer ist.

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Trotz der einfachen Bauweise genießen die Triplets damals wie heute einen ausgezeichneten Ruf, auch im Vergleich mit moderneren Linsen mit echter Telebauweise. Man betrachte nur das bereits während des 1. WK entwickelte und jahrzehntelang produzierte Trioplan 100mm aus Görlitz, das heute für 500-600€ in der Bucht gehandelt wird und sich aufgrund seines Seifenblasen-Bokeh größter Beliebtheit bei Portrait- und Makroaufnahmen erfreut.

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Das Bonotar kann als Poor-Man´s Trioplan bezeichnet werden. Vor 10 Jahren lagen die Preise noch bei rund 30€ für dieses eher seltene, aber lichtschwache Objektiv. Mittlerweile muss man je nach Zustand zwischen 60 und 150€ hinlegen. Mal sehen, ob es ein Schuss ins Knie oder eine Investition in die Zukunft war 😉

Literatur:

  • Claus Lieberwirth, “Das Bonotar von Feinmess Dresden”, PhotoDeal III/2003
  • Bonotar, Foto-Objektiv der VEB FEINMESS Dresden, Prospektheftchen

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