Mein Steckenpferd ist und bleibt die Fotografie von unbewegten Objekten in verschiedenen Spektralbereichen des Lichts. Dennoch beschäftige ich mich auch mit anderen Bereichen der Fotografie und so bin ich Ende Oktober des vergangenen Jahres das erste Mal in die Verlegenheit geraten eine standesamtliche Trauung zu begleiten. Als erste Reaktion auf die Anfrage, habe ich geantwortet: „Im Notfall stehe ich zur Verfügung, kann aber nicht die Erfahrung und Qualität eines Profis bieten“. Dementsprechend würde ich auch stets Anfragen bezüglich einer fotografischen Begleitung von kirchlichen Trauungen absagen. Das ist einfach nicht meine Baustelle. Natürlich hatte ich bereits auf diversen Veranstaltungen meine Kamera dabei, jedoch wurde ich bisher nie als Fotograf für eine Trauung oder ähnliches engagiert und hatte dazu auch keinerlei Affinität. Im Folgenden werde ich kurz etwas zu den Vorbereitungen berichten und anschließend ein paar ausgewählte Bilder zeigen.

Zunächst bekam ich Schweißausbrüche 🙂 Das Netz bietet eine Vielzahl von Anleitungen und Erfahrungsberichten wie man an eine solche Aufgabe heran geht. Also eigentlich bräuchte ich hier gar nicht weiterschreiben und versuche mich daher kurz zu fassen. Bei meiner Recherche sind mir viele nahezu perfekte Ergebnisse der auf dem Gebiet schon etablierten Fotografen begegnet, so dass der selbst auferlegte Druck schon beachtlich gestiegen ist. Nach vielen schlaflosen Nächten mit Gedanken rund um meine weniger für einen solchen Zweck geeigneten Ausrüstung, habe ich den Entschluss gefasst: Investieren in neue Technik und dann ausprobieren! So bin ich also zu meinem Reflexschirm und den China-Blitzen mit Funkauslöser gekommen 😉 Mittlerweile macht mir die Arbeit damit sogar Spaß. 

Im Vorfeld haben wir uns zu einem ungezwungenen Outdoor-Portrait-Shooting getroffen um einerseits die Arbeit vor und hinter der Kamera zu üben und andererseits beim anschließenden Abendessen abzustimmen welche Ideen, Wünsche und Vorstellungen auf beiden Seiten vorhanden sind. An der Stelle wurden auch gleich die harten Fakten (Uhrzeiten, Anzahl Gäste, Veranstaltungsort etc.) besprochen. Nach dem Gespräch war ich guter Dinge und habe ein bisschen nach typischen Bildern für eine solche Trauung gesucht, einfach um ein besseres Gefühl für die Bildgestaltung zu bekommen. Ferner hat es sich als Vorteil erwiesen, sich das Gelände rund um den Ort des Geschehens etwas genauer einzuprägen. Eines meiner Lieblingsbilder vom Tag der Trauung mit dem Efeu an der Wand im Hintergrund wurde dadurch als Ausweich-Location erst möglich.

Am großen Tag selbst waren meine Assistentin und ich natürlich überpünktlich vor Ort und konnten so schon einmal ein paar Kameraeinstellungen bei der aktuellen Lichtsituation durchprobieren. Dadurch musste die Braut in ihrem schönen aber für diesen Moment dann doch zu kalten Kleid nicht allzu lang in der Kälte ausharren. Meine Nervosität hat sich übrigens während der ganzen Zeit auf einem recht hohen Level gehalten. Auch wenn in jedem Ratgeber „Don´t panic“ steht, halte ich es für normal etwas angespannter als üblich zu sein. Vorbildlich hatte ich meine Technik vorbereitet: zwei Kameras waren einsatzbereit, Ersatzblitz und ein gutes Dutzend Akkus im Rucksack. Trotzdem ist mir zwischendurch einfach die Tastenbelegung der Kamera entfallen. Nach kurzem Schreckmoment und einer Phase des Durchatmens ging es dann ohne Probleme weiter.

Rückblickend betrachtet würde ich einige Punkte nun anders angehen. So würde ich z.B. zukünftig das Brautpaar darauf aufmerksam machen, sich bei kurzweiligen Momenten (Ringtausch oder dem anschließenden Kuss) Zeit zu lassen. Dadurch gewinnt man vielleicht den einen Augenblick in dem alles perfekt passt. Trotzdem war es insgesamt eine spannende Erfahrung und es flößt mir gleichzeitig gehörigen Respekt gegenüber Profis ein. Eine genaue Vorbereitung ist auf jeden Fall der Schlüssel zum Erfolg. Ich bin mit einigen der Bilder äußerst zufrieden, ärgere mich jedoch in anderen Fällen über mich selbst, da sicher noch mehr möglich gewesen wäre.

Ich freue mich natürlich über jegliche Rückmeldung zum Artikel oder den hier folgenden Bildern.