Eine kleine Reise in den Harz endete dank des Tipps eines sehr netten Pentaxian bei einem Lost Place. Gut, davon gibt es im Harz mehr als genug. Leider merkt man dieser Region stark an, dass sie in beiden ehemaligen deutschen Staaten im direkten Grenzbereich lag. Für die dort lebenden Menschen sicherlich kein besonders schöner Umstand und die teilweise menschenleeren Straßen an einem sonnigen Samstagvormittag sind schon etwas gruselig. Bei dem durch die kleine Fotografen-Gruppe besuchten Ort handelt es sich um ein ehemaliges Sanatorium zur Heilung von Atemwegserkrankungen. Die Anlage besteht aus getrennten Teilen für gewinnbringende Privatpatienten sowie Angehörige einer Pensionskasse auf der anderen Seite. Um die Jahrhundertwende des 19. zum 20. Jahrhundert liegt also bereits eine ausgeprägte Zweiklassen-Medizin vor. Relativ bald nach Eröffnung wurde die Anlage geschlossen bzw. im 1. WK als Lazarett genutzt. Welche Aufgabe die Anstalt in der dunklen Zeit deutscher Geschichte hatte, konnte ich bisher nicht recherchieren. Da im Keller jedoch einige bis zur Decke gekachelte zellenartige Räume und mehrere vermutlich OP-Säale noch erkennbar sind, muss man in Betracht ziehen, dass eventuell Verbrechen gegen die Menschlichkeit stattgefunden haben. Aus Respekt vor möglichen Opfern habe ich dort keine Aufnahmen gemacht. Insgesamt ist der gesamte Komplex in einem erbärmlichen Zustand, sehr viele Bereiche sind durch Vandalismus völlig zerstört. Die Ruine ist also einerseits ein Anziehungspunkt für (leichtsinnige?) Fototouristen, aber eben leider auch für Angehörige der heutigen Spaßgesellschaft. Das Verständnis für Vandalismus jeglicher Art fehlt mir allerdings gänzlich und ich möchte mich hier ausdrücklich von solchen Chaoten distanzieren!