Bei gleichzeitiger Aufnahme identischer Bilder in mehreren Spektralbereichen entsteht ein Multispektralbild. Der Sensor einer digitalen Kamera bietet drei Kanäle (rot, grün und blau). Daraus ergibt sich im RGB-Farbraum ein Bild mit natürlichem Farbeindruck und dies würde schon der eingangs dargelegten Definition genügen, da jeder Kanal für sich bereits ein Graustufen-Bild aus einem definierten Spektralbereich liefert.
In der Fotografie versteht man unter multispektralen Bildern eher eine Art Neuzusammenstellung der Farbkanäle. Dazu werden Aufnahmen (bestehend aus den drei Kanälen R, G und B) in verschiedenen Spektralbereichen angefertigt und anschließend wird ein neues Bild bestehend aus ausgewählten Farbkanälen der Einzelaufnahmen zusammengesetzt. Ich habe heute mal ein bisschen mit den Kanälen rumgespielt. Für das Infrarot Tutorial auf pentaxians.de hatte ich die kleine Kapelle und den Friedhof mit diversen Filterkombinationen fotografiert (nahes Infrarot mit 645nm und 695nm, sichtbar, sowie UV) und die Bilder in ihre Farbkanäle zerlegt. Anschließend habe ich ein neues Bild aus verschiedenen Kanälen gebastelt. Die bisher erfolgreichste Neukombination besteht aus:

  • Rotkanal: Informationen des ehemaligen Blaukanals der UV-Aufnahme
  • Grünkanal: Informationen des ehemaligen Blaukanals der NIR-Aufnahme
  • Blaukanal: Informationen des ehemaligen Rotkanals der NIR-Aufnahme

Nachdem ich an Photoshop verzweifelt bin, habe ich dann einfach GIMP genommen. Geht auch wunderbar und ist sogar selbsterklärend. Anschließemd wurde das Bild noch weichgezeichnet und die Kontraste erhöht. Ich find das Ergebnis irgendwie faszinierend und es trägt den Titel „quiet peace“:

Gleiches Vorgehen habe ich auch für die Szene auf dem Friedhof benutzt, nur dass ich anschließend mit dem Channel-Mixer in GIMP noch ein paar Veränderungen an den Kanälen vorgenommen habe. Gerade am vorderen Grabstein sieht man sehr schön die Informationen die aus der UV-Aufnhame stammen. Bin mir nicht sicher, ob die wissen wieviel Risse das Ding hat.

Das Problem bei der Spielerei dieser Art ist der Fokusshift der Objektive zwischen den einzelnen Spektralbereichen. Dadurch ergeben sich zwangsläufig für jede Einzelaufnahme unterschiedliche Fokuspunkte und entsprechende Doppelkonturen im neu zusammengesetzten Bild. Sprich: Farbsäume. Teilweise lassen die sich mit LR zwar entfernen, aber wenn es zu viel wird, entfernt man auch gleich die Konturen der „eingefärbten“ Blätter. Falls jemand eine Idee zur Nachbearbeitung hat, immer her damit. An einer korrigierten Spezialoptik komm ich wohl doch nicht mehr vorbei 😀

In der Selbstreflexion stellt man sich natürlich die Frage: „Warum mach ich das eigentlich?“ Allein die einzelnen Aufnahmen erfordern Windstille, genaue Ausrichtung, Zeit und Geduld, vermutlich könnte man ein ähnliches Ergebnis auch in PS schneller erreichen. Eine Antwort habe ich dann aber doch gefunden: Es entspannt, befreit den Kopf und macht irgendwie auch Spaß. Da es sich nicht um eingefärbte normale Bilder handelt, sondern tatsächlich Informationen aus dem nichtsichtbaren Bereich enthalten sind kommt auch so ein bisschen der „Forscherdrang“ durch. 😉